Neubau im Landkreis Diepholz - Von nun an geht es in die Höhe

Der Grundstein des Zentralklinikums für den Landkreis Diepholz in Twistringen liegt, der Hochbau beginnt.

 

Nun liegt der erste Teil des Kolosses. Was bislang nicht mehr ist als ein gigantisches Loch an der Bundesstraße 51, soll

schon bald ein modernes Krankenhaus sein. Das Zentralklinikum des Landkreises Diepholz im Twistringer Ortsteil Borwede

soll nun schnell wachsen. Zur Grundsteinlegung am Montagvormittag gab sich die Polit-Prominenz aus Landkreis

und Land die Ehre: „Die Erdarbeiten sind abgeschlossen, der Hochbau kann beginnen“, freute sich der Diepholzer Landrat

Volker Meyer.

Welches medizinische Angebot soll im Zentralklinikum einmal verfügbar sein?
Laut Klinikverbund Landkreis Diepholz sollen verschiedene medizinische Fachrichtungen im neuen Krankenhaus angesiedelt werden, als da wären Innere Medizin, Orthopädie, Chirurgie und Plastische Chirurgie sowie Urologie. Außerdem bekommt der Landkreis Diepholz nach Jahren wieder eine eigene Geburtenstation.

Wie soll das Zentralklinikum einmal ausgestattet sein?
Mit 344 Planbetten, sieben Operationssälen sowie einem ambulanten Operationssaal – und das alles auf dem modernsten Stand der Medizintechnik. Hinzu kommt eine Geburtenstation samt zwei Entbindungsräumen, einem Wasserentbindungsraum
sowie einer Notsectio für notfallbedingte Kaiserschnitte. Auch Hubschrauber sollen auf dem Gelände landen können und einen entsprechenden Landeplatz bekommen.

Wann soll das Zentralklinikum in Betrieb gehen?
„In ein paar Jahren wollen wir einziehen“, sagte Uwe Lorenz, Geschäftsführer des Klinikverbunds Landkreis Diepholz. Konkreter wurde Kreisrätin Ulrike Tammen auf Nachfrage des WESER-KURIER: „Wir liegen voll im Zeitplan.“ Das wiederum bedeutet: 2028 sollen im Zentralklinikum die ersten Patienten behandelt werden.

Was kostet das neue Zentralklinikum?
Bislang standen für das Großprojekt Kosten von etwa 330 Millionen Euro im Raum. 250 Millionen Euro davon trägt das Land Niedersachsen, die verbleibenden 80 Millionen Euro hat der Landkreis Diepholz zu berappen. Während seiner Laudatio nannte Uwe Lorenz jedoch 350 Millionen Euro als mögliche Endsumme. Ulrike Tammen führte dies darauf zurück, dass der Landkreis bereits mit Kostensteigerungen für das Großprojekt kalkuliert.

Wer zahlt die möglichen Mehrkosten?
Sollte es dazu kommen, dass die bisher veranschlagten 330 Millionen Euro nicht ausreichen, springe Hannover dem Landkreis Diepholz zur Seite: „Das Land lässt Sie nicht mit ungedecktem Dach zurück“, versprach Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD).

Wie soll das Zentralklinikum einmal aussehen?
Ein „flacher, nahbarer Baukörper, keine Gesundheitsfabrik“ soll es einmal werden, erklärte Matthias Ludes, Geschäftsführer des Büros Ludes Architekten in Recklinghausen, das mit dem Bau betraut ist. Das Krankenhaus soll sich flach in die Landschaft einfügen, entsprechend werde vieles an Baumasse unterirdisch angesiedelt. Dies wiederum erkläre die tiefe Baugrube. Entstehen soll ein „Krankenhaus der kurzen Wege“, so Ludes weiter. Das Dach des Klinikums soll nicht weniger sein als ein „2000 Quadratmeter großer Dachgarten“ mit viel Grün. An der Fassade soll im Sinne der Nachhaltigkeit viel Holz verbaut werden.

Wo kommt der Strom für das Krankenhaus her?
Aus Windkraft, was „deutschlandweit einmalig“ sei, pries Ludes das Konzept an. Strom beziehe das Zentralklinikum hauptsächlich aus Windkraft, aber auch Photovoltaik (PV) werde „flächendeckend“ verbaut. Mit drei Eisspeichern, die jeweils etwa 800 Kubikmeter Wasser fassen, soll je nach Bedarf Strom in Wärme oder Kälte umgewandelt werden. Die Architektenfirma verspricht sich dadurch „Hunderttausende Euro“ an Einsparungen bei den Energiekosten, rechnete Ludes vor.
Allerdings: Ein dieselbetriebenes Notstromaggregat soll es für den absoluten Notfall weiterhin geben.

Was passiert mit den drei bisherigen Krankenhäusern im Landkreis Diepholz?
Ist das Zentralklinikum einmal in Betrieb, sollen die bisherigen Krankenhäuser des Landkreises Diepholz in Bassum, Sulingen und Diepholz geschlossen werden. Die Liegenschaften gehörten dem Landkreis, für die Nachnutzung sei die Kreisverwaltung mit den jeweiligen Stadtverwaltungen im Austausch, so Tammen. Das Zentrum für seelische Gesundheit bleibe auf jeden Fall in Bassum, erklärte Bassums Bürgermeister Christian Porsch. Gedankenspielen, wonach die Verwaltung der Lindenstadt ins heutige Krankenhaus umziehen könnte, erteilte Porsch auf Nachfrage des WESER-KURIER eine Absage: Dazu gebe es derzeit „keinerlei Bestrebungen“, sagte der Rathauschef.

Wie weit sind die Wege vom Zentralklinikum zu anderen Krankenhäusern?
Die nächsten Krankenhäuser im Westen (Vechta/Lohne, Wildeshausen) sind mit weniger als 30 Kilometern noch am geringsten entfernt. Nach Süden (Minden), Osten (Nienburg, Verden) und Norden (Bremen, Delmenhorst) sind die Wege mit teils über 60 Kilometern ziemlich weit. Für Patienten aus dem Diepholzer Nordkreis werden die Wege auch deshalb länger, weil das Klinikum Links der Weser in Bremen zum Jahreswechsel 2028/2029 schließen soll.

 

Artikel erschienen im Syker Kurier, am Dienstag, 12.08.2025, von Wolfgang Sembritzki