Das größte Bauvorhaben in der Geschichte des Landkreises Diepholz.
Volker Meyer, Landrat
Wer dem Quintett bei seiner historischen Aufgabe zuschaut, sorgt sich nicht mehr um einen Fachkräftemangel in der Baubranche. Denn kaum haben Andreas Philippi, Uwe Lorenz, Volker Meyer sowie Matthias Ludes den Mörtel aufgetragen und kaum hat Jens Bley die erste Abdeckplatte gelegt, greift der Landrat zur Wasserwaage und prüft mit professionellem Blick, ob auch alles im Lot ist.
Bauprojekt im Zeitplan
Symbolisch gesehen ist es das ohnehin, denn das Bauprojekt ist im Zeitplan und die finanziellen Zuwendungen von Land und Bund sind fest zugesagt, die ersten Bescheide schon ergangen. Aber: „Die Komplexität ist enorm bei der Planung und Errichtung“, betont Klinikverbund-Geschäftsführer Uwe Lorenz zum Krankenhausbau. Vor dem handwerklichen Akt hat er den Reigen der Festredner eröffnet. So intensiv mit so vielen Details beschäftigen sich der Geschäftsführer, sein Team und die Baufirmen tagtäglich, dass er bekennt: „Ein Tag wie der heutige kommt einem noch surrealistisch vor ...“
Hier hat man alle Register für die Versorgung gezogen.
Andreas Philippi, Landes-Gesundheitsminister
Schätzungsweise 350 Millionen Euro wird der Klinikneubau auf der grünen Wiese kosten – Gesundheitszentrum für den Landkreis Diepholz und die angrenzende Region. „In ein paar Jahren können wir einziehen“, blickt Uwe Lorenz voraus. Die ersten Patienten sollen 2028 in Borwede behandelt werden. „Bis dahin ist noch viel zu tun!“, weiß der Klinikverbund-Geschäftsführer.
„Wir haben sehr lange auf diesen Tag hingearbeitet“, freut sich Matthias Ludes vom Architektenbüro Ludes, Generalplaner für das neue Klinikum, über die Grundsteinlegung. Alle Beteiligten – wie der Kreistag, die Fachplaner, das Land und seine Fachbehörden – hätten gemeinsam eine Vision entwickelt. Mit sichtbarem Stolz nennt Ludes Zahlen und Fakten zur neuen Klinik, deren flacher Baukörper sich harmonisch in die Landschaft einfügen werde. Denn der größte Teil des Technik-Bereiches werde unterhalb der ursprünglichen Geländekante liegen.
Krankenhaus der kurzen Wege
Die Komplexität ist enorm bei der Planung und Errichtung.
Uwe-Lorenz, Klinikverbund-Geschäftsführer
Im Innenbereich sei es ein Krankenhaus der kurzen Wege, so Matthias Ludes, das Abläufe für die Mitarbeitenden sowie die Behandlungsqualität für die Patienten spürbar verbessern werde. Außerdem würden alle Patientenzimmer nach außen, mit freiem Blick auf die Landschaft, angeordnet. Hinzu kommt der großzügige Dachgarten, das „grüne Herz“ der Klinik.
Das Konzept sei ein optimales Beispiel für Nachhaltigkeit in Bau und Betrieb gleichermaßen. Weil Holz das bevorzugte Baumaterial ist, werde schon beim Bau massiv CO₂ eingespart. Das gelte genauso für den Betrieb. Die Energie aus dem nahen Windpark und das Konzept mit drei großen Eisspeichern, jeweils 800 Kubikmeter groß, stellen per Umwandlung Strom und Wärme sicher. Betriebswirtschaftlich könnten pro Jahr „mehrere Hunderttausend Euro“ bei der Energie eingespart werden, bilanziert der Architekt.
Aufmerksam hinterfragt Gesundheitsminister Andreas Philippi dieses ungewöhnliche Energiekonzept: „Wie wird das Notstromaggregat betrieben?“ Diese buchstäblich lebenswichtige Notfallversorgung wird mit Diesel gespeist, erfährt
er. Der Minister beschreibt das Klinikum insgesamt als „weiteren Meilenstein der Gesundheitsversorgung in Niedersachsen“ sowie als Paradebeispiel dafür, wie qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung in Niedersachsen künftig
aussehen werde. Das neue Krankenhaus biete „höchste medizinische Kompetenz unter einem Dach“ und sei außerdem ein Pandemie-resilientes Klinikum. „Hier hat man alle Register für die Versorgung gezogen“, resümiert der
Minister – und verweist darauf, dass Land und Bund das Projekt mit 250 Millionen Euro unterstützen.
Mit 80 Prozent der Förderung trage das Land entscheidend zur Realisierung des Projektes bei, betont Landrat Volker Meyer – und bezeichnet den Klinikneubau als „das größte Bauvorhaben in der Geschichte des Landkreises Diepholz“.
Man könne stolz darauf sein, Vorreiter für Zukunftsprojekte zu sein. Ausdrücklich dankt der Landrat allen Beteiligten für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und ist fest überzeugt: Das wichtigste Fundament der Klinik seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich um die Patienten kümmern werden. Die Tradition der Grundsteinlegung, schon in der Antike praktiziert, sei ein wichtiges Signal: „Den Grundstein zu legen bedeutet, einen guten Anfang zu machen.“
Alle Festredner in Borwede sind sich einig in ihrem Dank an die Menschen und Firmen, die den Bau realisieren, sowie in dem Wunsch nach einem guten und unfallfreien Gelingen.
Artikel erschienen in der Kreiszeitung, Dienstag, 12. August 2025, von Anke Seidel